reflections

Erste Frage: Liebe ich ihn eigentlich noch?

Die Vorgeschichte – Oder wie ich überhaupt wieder Single wurde:

Vor ziemlich genau sieben Monaten habe ich mich von meiner Jugendliebe (meinem zweiten Freund überhaupt) getrennt. Trotz Respekt, Zuneigung und einer unfassbar romantischen gemeinsamen Liebesgeschichte, die insgesamt siebeneinhalb Jahre angedauert hat, musste ich mich trennen. Warum musste ich das? Weil ich ihn nicht mehr geliebt habe. Das klingt trocken und simpel. So einfach war das ganze natürlich nicht – aber im Nachhinein betrachtet, muss man es einfach so sagen: Die Liebe war weg.

Wir haben uns als Schüler im Ausland kennen und lieben gelernt, lange eine Fernbeziehung geführt und schließlich ist er zu mir nach Hamburg gezogen. Wir haben dann fast vier Jahre zusammengewohnt. Wenn ich ehrlich bin, haben wir ein fast eheähnliches Leben geführt. Sehr vernünftig, sehr routiniert, sehr umsorgend – aber auch etwas langweilig. Zumindest für mich.

Es waren zwei Faktoren, die mich dazu bewogen haben, die Trennung durch zu ziehen: Ich habe gemerkt, dass die Gefühle nicht mehr so sind, wie sie sein sollen und ich habe gemerkt, dass ich wirklich, wirklich, wirklich noch mehr Erfahrungen sammeln möchte! Alleine und unabhängig von meiner Beziehung zu ihm. Aber dazu später mehr.

Zuerst zu der entscheidenderen Komponente: Wie habe ich das mit den Gefühlen begriffen?

Erstens: Der Sex. Was macht den Unterschied zwischen einer Freundschaft und einer Beziehung aus, Mädels? Dass man sich auch körperlich von dem anderen angezogen fühlt!!! Leider war das Thema bei uns beiden schon lange problematisch. Es gab auf und ab's (und auch mal richtig guten Sex) – aber richtig lange hat es nie ohne Probleme funktioniert. Wo lag das Hauptproblem? Ich hatte einfach kaum noch Lust auf Sex. Also wirklich fast nie. Das führte zu immer frustrierenderen Situationen, und zwar für uns beide! Das Schwierige bei diesem Thema ist, dass man nicht weiß, woran es liegt. Liegt es an mir? Ist mein Sextrieb einfach gering ausgeprägt? Habe ich ein Problem mit Nähe? Liegt es an der Art des Sexes? Bin ich einfach gelangweilt? Liegt es an ihm? Liegt es daran, dass wir beide uns nicht ganz wohl in unserem Körper fühlen? Gibt er sich nicht genug Mühe? Gebe ich mir nicht genug Mühe? Und ist schlechter Sex überhaupt ein Trennungsgrund, wenn alles andere ziemlich gut läuft? Fragen über Fragen über Fragen... So ging es mir monate - vielleicht sogar jahrelange. Ich stellte mir eine Frage nach der anderen, versuchte Dinge zu verändern, las psychologische und praktische Bücher zur (weiblichen) Sexualität, führte Diskussionen mit meinem Freund, sprach mit Freundinnen über das Problem - bis ich es endlich wagte, mir die eine und schwierigste aller Fragen zu stellen: LIEGT ES DOCH AN MEINEN GEFÜHLEN? Kann es tatsächlich wahr sein, dass ich diesen wundervollen, mir so unfassbar wichtigen Menschen nicht mehr liebe???

„Geholfen“ hat mir bei dieser Frage außer der Sache mit dem Sex, was wohl den meisten Menschen in so einer Situation mehr Klarheit verschafft: Gefühle für einen anderen. Die Gefühle waren eigentlich sehr offensichtlich (im Nachhinein leider auch für meinen Exfreund), kamen aber aus einer so unerwarteten Ecke, dass ich sie lange Zeit verdrängen konnte: Sie entstanden für einen neuen Freund von mir. Dieser war in einer Beziehung - mit einem Mann. Klingt unmöglich, aber ist es nicht. Glaubt mir! Gefühle können aus jeder Richtung über uns hineinstürzen!

Meine Gefühle für ihn waren für mich der Motor, mich der Realität zu stellen. Denn ich hatte mir zwischendurch schon mal eins geschworen: Ich würde nicht (wie manch andere Frau oder auch anderer Mann) immer von einer Beziehung in die andere geraten. Ich würde nicht warten, bis sich tatsächlich etwas mit einem „anderen“ ergibt und dann meinen Freund verlassen. Wenn die Beziehung eine Schieflage hatte, wollte ich handeln – und zwar alleine, ohne einen anderen potentiellen Partner. Und ich wusste, dass aus der Sache mit meinem guten Freund nichts werden würde. Ich wusste aber auch, dass ich die Gefühle für ihn nicht einfach ignorieren konnte. Denn wenn du dich in jemand anderen verliebst, musst du dir die Frage stellen, was dir in deiner Beziehung fehlt. Entweder liebst du deinen Freund wirklich nicht mehr oder aber es laufen einige Dinge so verdammt schief, dass man sich für solche Gefühle überhaupt öffnet! Bei mir war es halt ersteres. Das tat weh. Das tat extrem weh.

19.10.14 10:30, kommentieren

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Vorwort: Wieso, weshalb, warum?

Ich bin Mitte zwanzig, eine Frau und Single. Grund zum Weinen? Auf keinen Fall! In diesem Block möchte ich meine Erfahrungen als junge Singlefrau in Hamburg mit euch teilen. Warum? Weil ich das Gefühl habe, dass viele Frauen denken, dass nur Männer das Single Leben so richtig genießen können. Und weil ich den Eindruck habe, dass viele Frauen einfach nur der nächsten Beziehung hinterherlaufen ohne etwas wichtiges zu begreifen: Single sein kann Spaß machen! Auch als Frau! Oder GERADE als Frau... Ich bin jetzt seit ziemlich genau sieben Monaten alleine – und die Dinge, die ich über mich selbst, das Leben, die Liebe und die Männer gelernt habe, sind einfach so zahlreich, witzig und erhellend, dass ich sie mit euch teilen möchte! Ich hoffe ihr werdet Spaß haben und euch in der einen oder anderen Geschichte selbst wieder finden. Und vor allem hoffe ich, dass ich euch meine Herzensangelegenheit vermitteln kann: Es geht immer darum, mit sich selbst glücklich und im Einklang zu sein – ob innerhalb oder außerhalb einer Beziehung! Macht es so wie ich – seit mutig, sammelt Erfahrungen und genießt das Leben, ihr habt ja nur eins davon...

19.10.14 08:28, kommentieren



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